Vom Masseur zum Haltungsexperten
– Mein Weg zur integrativen Körpertherapie
Die Saat wurde früh gesät
Schon als Kind hatte ich ein gutes Gespür für Berührung. Mit etwa vier Jahren fing ich an, meiner Schwester und später bei Familienfeiern auch meinen Tanten kleine Massagen zu geben. Für mich war das ganz selbstverständlich – irgendwie war da schon diese Freude am Geben, am Spüren, am Berühren.
Doch wie das Leben so spielt, wollte ich nach der Schule erst etwas „Vernünftiges“ machen. Ich schrieb über 120 Bewerbungen, um einen kaufmännischen Beruf zu erlernen – am Ende landete ich bei einer Ausbildung zum Rechtsanwaltsgehilfen. Aber es dauerte nur ein Jahr, bis ich merkte: Das ist nichts für mich. Zu trocken. Zu fremd. Ich wollte etwas anderes. Etwas mit Menschen. Etwas mit Sinn.
Ich nahm mir Zeit. Arbeitete über eine Zeitarbeitsfirma in verschiedensten Bereichen – und spürte immer deutlicher, was mich wirklich erfüllt: Menschen zu entspannen, sie zu berühren, ihnen etwas Gutes zu tun.
Der Valentinstag, an dem alles begann
Meine Bewerbung an die Berufsschule für Massage in Berlin-Buch war ein Befreiungsschlag. Das Bewerbungsgespräch ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Die entscheidende Frage meiner Ausbilderin lautete: „Wie gehen Sie mit schwierigen Menschen um?“ – Meine Antwort: „Jeder Beruf hat seine Herausforderungen. Und ich bin bereit, mich darauf einzulassen.“
Als sie "Beginn Oktober 1997" auf ihren Zettel schrieb, wusste ich: Jetzt geht’s los. Die offizielle Zusage kam am Valentinstag – ein gutes Omen.
Während meiner Ausbildung zum staatlich geprüften Masseur und medizinischen Bademeister durchlief ich Stationen im Krankenhaus, in der Reha und in Physiopraxen. Und ich wusste: Das ist mein Beruf. Ich bin angekommen.
Kein Bedarf? Dann mache ich es selbst.
Der Einstieg ins Berufsleben war jedoch holprig. Viele Praxen suchten nur Personal mit zig Zusatzqualifikationen – oder empfahlen mir gleich, mir etwas anderes zu suchen. Aber ich wollte bleiben. In Berlin. Und in meinem Beruf.
Bei einem Bier mit einem Freund notierte ich meine Idee auf einen Bierdeckel: selbstständig werden. Massagen in Büros. Hausbesuche. Mobile Behandlungen. Ein Freund war von dieser Idee überzeugt und half mir, mein Unternehmenskonzept zu schreiben – und am 1. August 2000 ging es los. Der Beginn meiner Selbstständigkeit.
Faszien – eine Berührung, die alles veränderte
2002 besuchte ich mit einer Kollegin einen Rückenkongress. Dort bot ein Körpertherapeut Demo-Sessions an – keine klassische Massage, sondern etwas ganz anderes. Eine Berührung ohne Öl, ohne Kneten – aber mit Tiefe. Ich war fasziniert. Jede Berührung fühlte sich an, als würde das Gewebe wie Moduliermasse an die richtige Stelle geschoben werden. Und der Effekt? Nachhaltig. Spürbar. Bewegend.
Damals sprach noch kaum jemand über Faszien. Es gab kaum Literatur, keine Studien und so gut wie keine Ausbildungen in Deutschland. Also flog ich nach Mallorca und machte dort meine erste Ausbildung in struktureller Integration – einem Konzept aus 10 aufeinander aufbauenden Sitzungen, das den gesamten Körper in seiner Haltung und Funktion neu organisiert.
Ich lernte, dass Haltung kein statisches Konstrukt ist, sondern ein lebendiger Ausdruck von Bewegung, Faszienspannung und Wahrnehmung. Und ich erlebte es am eigenen Körper.

Pionierarbeit – mit Massage und Haltungsschulung
Viele Patient:innen konnten mit dem Wort "Faszien" damals nichts anfangen. Manche sagten: „Ich bin doch schon 45, da ändert sich nichts mehr.“ Also integrierte ich die neue Methode in meine Massagen. Jeder Termin wurde ein individuelles Erlebnis – mit aktiver Wahrnehmung, lehrreichen Impulsen und Gesprächen über Bewegung, Haltung und Alltag.
Und bei denen, die sich darauf einließen, zeigte sich: Veränderung ist möglich. Haltung ist lernbar und veränderbar. Schmerzen können weichen, wenn man die Sprache des Körpers versteht.
Lernen ist nie zu Ende -
– Spiraldynamik, Chiropraktik und eigene Schmerzen
Ich habe in den letzten 25 Jahren unzählige Seminare besucht. Doch ein Erlebnis hat mich besonders geprägt: Mein eigener Vorfußschmerz, der nach vier Tagen in London entstand – bei einem gefühlten Marathon zu Fuß durch die Stadt. Jeder Schritt war eine Qual.
Bei der Suche nach nachhaltiger Hilfe stieß ich auf Spiraldynamik. Über Umwege kam ich zu Oliver – einem Kollegen, mit dem ich vor über 20 Jahren schon gearbeitet hatte. Seine Haltungsanalyse per Video war für mich ein Schock. Ich, der täglich mit Haltung arbeitet, sah meine eigene Körperstruktur und war erschrocken. Und gleichzeitig tief motiviert.
Der berühmte Leitspruch kam mir in den Sinn:
„Hast du schon mal einen Wegweiser gehen sehen?“
Ich hatte viele Menschen begleitet, aber mein eigener Weg brauchte ein neues Kapitel.
Die Behandlung mit Oliver zeigte mir, wie kleinste Haltungsabweichungen eine Kaskade an Dysbalancen auslösen können. Ich spürte, wie sich durch eine neue Ansteuerung der Gesäßmuskulatur Blockaden in meiner Halswirbelsäule auflösten. Das war mein Wendepunkt.
Heute:
Integrative Schmerztherapie mit dem Fokus auf Faszien und gesunde Körperhaltung
Heute verbinde ich mein Wissen aus der Faszienarbeit, der Spiraldynamik und der strukturellen Integration mit gezielter Bewegungsanalyse. Ich arbeite nicht nur am Körper, sondern mit dem Körper.
Meine Ausbildung in Chiropraktik ergänzt das Bild: Schnelle Hilfe bei akuten Blockaden – aber immer kombiniert mit nachhaltiger Arbeit an Haltung und Wahrnehmung. Denn ich möchte nicht nur Symptome lösen, sondern Ursachen aufdecken.
Und ja – ich gehe weiterhin zu Kolleg:innen. Denn auch ich habe meine blinden Flecke. Aber inzwischen freut sich mein Chiropraktiker:
„Heute sind es nur vier Blockaden!“
Veränderung ist möglich. Auch nach vielen Jahren. Und sie beginnt mit einem ersten Schritt – am besten bewusst, achtsam und mit der Bereitschaft, dem eigenen Körper wirklich zuzuhören.
Wenn dich interessiert, wie diese Haltung meine Arbeit mit Schmerzpatienten beeinflusst – dann lies gerne den nächsten Artikel: „Vier Wege aus dem Schmerz – und warum es sich lohnt, die eigene Haltung zu hinterfragen“.
