nackenschmerzen-schulterverspannung-brustkorb

18.Sep..25

Schulter- und Nackenschmerzen

– warum der Brustkorb oft der Schlüssel ist

Frau Funny und ihre Nackenschmerzen

Frau Fanni kam zu mir in die Praxis, weil sie seit Monaten unter Nackenverspannungen und Schmerzen in den Schultern litt. Ihr erster Gedanke: „Da muss ein Wirbel blockiert sein, ein Griff – und dann ist alles wieder gut.“

Als wir genauer hinsahen, zeigte sich ein anderes Bild. Ihr Brustkorb war stark eingerollt, die Beweglichkeit deutlich eingeschränkt. Die fasziale Spannung im vorderen Bereich zog sie förmlich in einen Rundrücken hinein. Das hatte Folgen: Ihr Kopf war nach vorne verschoben, die Halswirbelsäule stand unter Druck – der Nacken reagierte mit Schmerz.

Missverständnisse rund um Nackenschmerzen

Viele Patient:innen denken wie Frau Fanni, dass eine Blockierung im Nacken die Ursache ist und sich mit einer schnellen Technik lösen lässt. Doch die Beschwerden haben sich oft über Jahre aufgebaut.
Ein zweites Missverständnis: Nur der Brustkorb muss mobilisiert werden. In Wahrheit spielt das Becken eine entscheidende Rolle. Erst wenn es in eine aufgerichtete Position kommt, kann der Brustkorb seine Beweglichkeit überhaupt entfalten.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Aus medizinischer Sicht sind Schulter- und Nackenschmerzen in den meisten Fällen multifaktoriell. Neben der Haltung spielen Faktoren wie Arbeitsplatzgestaltung, Stresslevel oder muskuläre Dysbalancen eine wichtige Rolle. Ein unbeweglicher Brustkorb ist häufig ein zentraler Baustein, aber eben nicht der einzige.

Ein faszinierendes System – 98 Gelenke im Brustkorb

Auch wenn er von außen wie ein fester Kasten aussieht: Der Brustkorb ist ein Bewegungswunder. Insgesamt verbinden sich hier fast 100 kleine Gelenke – zwischen Rippen, Wirbeln und Brustbein. Sie erlauben es uns, dreidimensional zu atmen, uns aufzurichten und Bewegungen dynamisch weiterzugeben.

Bleibt dieses System steif, übernehmen andere Regionen. Häufig kompensiert die Lendenwirbelsäule, die eigentlich vor allem für Beugung und Streckung gedacht ist. Das führt zu noch mehr Spannung und Fehlbelastung.

Der Brustkorb wie ein Akkordeon

Um sich die Beweglichkeit besser vorzustellen, hilft ein Bild: Der Brustkorb gleicht einer Ziehharmonika. Mit jedem Atemzug und jeder Bewegung öffnen und schließen sich die Gelenke.
Wichtig ist dabei die neutrale Stellung – nicht zu stark gebeugt, nicht überstreckt. Dann kann die zwölfte Rippe sanft nach unten drehen und die erste Rippe unter dem Schlüsselbein nach oben. Dadurch entsteht Länge – nicht nur im Brustkorb, sondern auch in der Lenden- und Halswirbelsäule.

Besonders wichtig ist hier die Atmung: Jeder tiefe Atemzug bewegt automatisch den Brustkorb und aktiviert so die Gelenke. Für viele Patient:innen ist das ein unmittelbarer Aha-Moment – die Erkenntnis, dass schon das bewusste Atmen zur Beweglichkeit beiträgt.

Brustwirbelsäule flexibel wie ein Arcordion

Fortschritt braucht Geduld

In meiner Praxis erkläre ich oft: Wir suchen gezielt die Stellen, die den Brustkorb nach vorne ziehen. Gleichzeitig bauen wir Bewusstsein für Haltung auf. Und es braucht Zeit, bis sich der Körper an eine neue Aufrichtung gewöhnt.

Viele Patient:innen erleben irgendwann den Aha-Moment: „Jetzt fällt es mir sogar leichter, gerade zu sitzen, als in mich hineinzusinken.“ Genau hier zeigt sich der Fortschritt – der Körper beginnt, die aufrechte Haltung als neuen Standard zu erkennen.

Ein erster Schritt für den Alltag

Gerade wer viel sitzt, sollte jede Gelegenheit nutzen, um den Brustkorb beweglich zu halten. Kleine Pausen, bewusstes Aufrichten, tieferes Atmen – all das bringt Dynamik zurück.

Eine einfache Beobachtung kann sofort Klarheit bringen: Lehne dich im Sitzen bewusst zurück und spüre, ob dein Brustkorb mitschwingt oder eher starr bleibt. Schon diese kleine Wahrnehmungsübung zeigt, wie beweglich (oder unbeweglich) der Brustkorb aktuell ist.

Für mehr Anregungen verweise ich auf meine Videos, in denen ich Übungen vorstelle, wie du deinen Brustkorb Schritt für Schritt wieder beweglicher machen kannst. Denn je elastischer er bleibt, desto freier werden erfahrungsgemäß auch Schultern und Nacken.

Ausblick: Bewegung in der Gruppe

Erfahrungsgemäß fällt es vielen leichter, neue Bewegungsmuster gemeinsam zu üben. Deshalb werde ich in Zukunft Übungsgruppen anleiten, in denen Patient:innen ihre Beweglichkeit gezielt schulen können. Der Fokus liegt darauf, Dynamik zurück in den Alltag zu bringen – mit einfachen Bewegungen, die sich leicht integrieren lassen. So wird Bewegung wieder zu einem selbstverständlichen Teil des Tages.

Heute:

Integrative Schmerztherapie mit dem Fokus auf Faszien und gesunde Körperhaltung

Heute verbinde ich mein Wissen aus der Faszienarbeit, der Spiraldynamik und der strukturellen Integration mit gezielter Bewegungsanalyse. Ich arbeite nicht nur am Körper, sondern mit dem Körper.

Meine Ausbildung in Chiropraktik ergänzt das Bild: Schnelle Hilfe bei akuten Blockaden – aber immer kombiniert mit nachhaltiger Arbeit an Haltung und Wahrnehmung. Denn ich möchte nicht nur Symptome lösen, sondern Ursachen aufdecken.

Und ja – ich gehe weiterhin zu Kolleg:innen. Denn auch ich habe meine blinden Flecke. Aber inzwischen freut sich mein Chiropraktiker:

„Heute sind es nur vier Blockaden!“

Veränderung ist möglich. Auch nach vielen Jahren. Und sie beginnt mit einem ersten Schritt – am besten bewusst, achtsam und mit der Bereitschaft, dem eigenen Körper wirklich zuzuhören.

Wenn dich interessiert, wie diese Haltung meine Arbeit mit Schmerzpatienten beeinflusst – dann lies gerne den nächsten Artikel: „Vier Wege aus dem Schmerz – und warum es sich lohnt, die eigene Haltung zu hinterfragen“.

Dein nächster Schritt

Wenn du bereit bist, deine Haltung zu erkunden, deine Bewegungsmuster zu verstehen und neue Wege zu gehen – dann lade ich dich herzlich ein.

In einem ersten Termin analysieren wir gemeinsam deine Körperstruktur, deine Gewohnheiten – und die Möglichkeiten, die in dir stecken.

Vielleicht möchtest du vorab mehr darüber lesen, warum manche Bewegungen dir gar nicht mehr bewusst sind? Dann schau dir meine 3 Artikel zur sensomotorischen Amnesie an – ich nenne es den "blinden Fleck" im Körpergefühl.

Und wenn du lieber gleich loslegen möchtest:
Hier kannst du direkt einen Termin buchen.

Ich freue mich auf dich.
Martin Grütz – Heilpraktiker in Berlin